Von Larnaka nach Nikosia – Vogelgezwitscher und Verfall

Heute haben wir unser Hotel in Larnaka verlassen und sind mit dem Auto Richtung Nikosia. Auf dem Weg dorthin machten wir am frühen Vormittag in der Hala Sultan Tekke Moschee, die mehr als idyllisch auf einer Minihalbinsel umgeben von Palmen liegt, Halt. Kein Mensch war da. Nur die Vögel zwitscherten wild um die Wette. Beim Betreten der Moschee lief uns eine Katze entgegen und kleine Spatzen flatterten auf. Im hinteren Teil der Moschee ist das Grab der Amme Mohammeds, die beim Sturz vom Maultier verunglückte und dabei starb. Über ihrem Grab befindet sich ein Stein, der laut Legende angeblich vom Sinai in Jerusalem nach Zypern flog und über ihr schwebte. Damit dieser nicht herabstürzte, baute man ihm Stützen.  Von dort aus fuhren wir weiter zur Kirche Hagios Herakleidos und nach Stavrouni.

Zypern Landschaft
Die Autofahrten bieten immer die schönsten Ausblicke
Tekke Moschee
Hala Sultan Tekke
Halan-Sultan-Tekke innen
Hier hatten es sich Vögel und Katzen gemütlich gemacht -Hala Sultan Tekke
Grab Moschee
Das Grab der Amme

Halan-Sultan-Tekke

Halan Sultan Tekke

Stavrouni
Stavrouni

Katze

Stavrouni Kloster
Männerkloster in Stavrouni

Wie in einer anderen Welt – Der Nordteil Nikosias:

Am Nachmittag kamen wir in Nikosia an. Die Stadt ist zweigeteilt in einen griechischen und türkischen Teil. In der Fußgängerzone kann man die Grenze bei einer Passkontrolle überschreiten- und schwupp -wie durch ein Wurmloch gefallen, befindet man sich mitten in einer anderen Welt. Obwohl der griechische Part schon sehr südlich und etwas heruntergekommen ist, scheint der Unterschied zur türkischen Seite enorm. Überall bröckelt der Putz der Häuserwände herunter, uralte Autos düsen um die Ecke und an den Fassaden kann man erkennen, dass viele Häuser nicht nur in miserablen Zustand sind, sondern oftmals verlassen wurden. Der Ruf der Muezzine tönt durch die gesamte Stadt. Entlang der Stadtmauer kamen wir noch bei einem Fußballplatz vorbei. Die Stimmung ist irgendwie gedrückt. Die Armut ist überall zu sehen. Doch dann gibt es auch wieder die schönen Ecken, wie zum Beispiel eine Seitengasse, die von bunten Schirmen überspannt wurde. Nichtsdestotrotz bin ich froh, dass unser Hotel (Tony The Place to stay, kann ich empfehlen, gibt nur in der Früh kein warmes Wasser) auf der griechischen Seite liegt. Hier ist viel mehr Leben und es ist angenehmer durch die Straßen zu schlendern.

Fußballplatz Nikosia
Nikosia
Grenze Nikosia
Grenzübergang in der Fußgängerzone in Nikosia       
Nikosia Haus
Türkischer Teil Nikosias

Nikosia Markt

Nikosia Minarett
Minarett in Nikosia

Haus Nikosia

Nikosia Platz Nikosia Stadt

Nikosia Straße

Nikosia Street

Nikosia Verfall

Nikosia

Wäscheleine Nikosia

Authentisch syrisch essen – Der Syrian Arab Friendship Club Nicosia:

Am Abend waren wir dann noch syrisch essen. Mein erstes Mal. Ich kann euch gar nicht sagen, wie froh ich war, mal keine griechischen Meze (gemischte Kleinigkeiten, wie Tapas) zu essen. Immer nur Fleisch. Und das so fettig, dass man das Öl herabfließen sieht.
Wir bestellten uns verschiedene Vorspeisen, Falafel, Mouharamah (Aufstrich aus Paprika, Walnüssen und Granatapfel), Spinattaschen und Pita mit Haloumi. Auch die angemachten Auberginen in Granatapfelsoße sind äußerst empfehlenswert. Unsere Doktorandin Catherine hatte uns das Restaurant empfohlen und ich war darüber mehr als glücklich. Die Fotos sind leider nicht so prickelnd, das Essen hat aber definitiv gemundet!

Syrer
Lecker, lecker 🙂 Syrian Arab Friendship Club in Nicosia
Syrisch Arabischer Freundschaftsclub
Haloumi im Brot – Syrian Arab Friendship Club Nikosia
syrischer Salat
Syrian Arab Friendship Club Nikosia

Ein Gedanke zu „Von Larnaka nach Nikosia – Vogelgezwitscher und Verfall

  1. Eine sehr nette Beschreibung der Stimmung in der geteilten Stadt Nicosia. Ich stimme zu, dass Nicosia ziemlich heruntergekommen wirkt, aber keinesfalls nur in der UN-Pufferzone oder im türkischen Nordteil alleine, sondern auch im griechisch-zyprischen Süden. Der Norden wirkte auf mich (Besuch im März 2019) sogar bunter/belebter als der uniform wirkende Südteil, der mir recht austauschbar und überbewertet erschien. Der Norden hat mit seiner orientalischen Atmosphäre und den Sehenswürdigkeiten (Sophienkathedrale/Hauptmoschee, Karawanserei, Derwischkloster/-vorführungen, historische Markthalle, basarartige Einkaufsstraßen, venezianische Säule im ehem. britischen Regierungsviertel, Stadtmauer, Kyreniator, mehrere kleine Moscheen) sehr viel Historisches zu bieten. In den engen Gassen wusselt es nur so vor Menschen und man fühlt sich mitten im Orient. Auch im griechischen Süden gibt es historische Bauwerke (Stadtmauer, Paphostor, Famagustator, Johanneskirche, Feneromenikirche, Patriachenpalast, Rathaus, Hamam, einige Museen, …), aber abseits der belebten Ledrastraße und der Neustadt jenseits der Stadtmauer war die Altstadt von Südnicosia (Lefkosia) während meines Besuchs mitten am Tag (an einem Wochentag – Donnerstag – im März 2019) fast menschenleer, regelrecht tot. Baulich ist auch die Innenstadt von Südnicosia im Bereich östlich der Ledrastraße ziemlich heruntergekommen und in vielen Straßen mitten im Zentrum herrscht eine unübersehbar hohe Leerstandsrate bei den Geschäftslokalen. Hätte ich bei meinem Besuch nicht die Johanneskirche und den daran anschließenden Patriachenpalast inmitten von wenig einladenden Straßenzügen mit viel fader Nachkriegsarchitektur „gefunden“, hätte ich den Eindruck gewonnen, Lefkosia (Südnicosia) sei ein fade Provinzstadt mit an griechische Städte erinnernden das Stadtbild dominierenden Nachkriegsbauten, während sich die sehenswerte orientalisch anmutende Altstadt von Nicosia mit bevölkerten Straßen eher im türkischen Norden (Lefkosa) befindet. Verfall entlang der Grenze ist in Nicosia traurige Realität, doch anders als sich viele Besucher das erwarten ist keinesfalls der türkische Norden alleine an vielen Stellen baufällig, sondern auch die Altstadt des griechischen Südnicosia. Offenbar spielt sich das Leben dort eher in den Einkaufszentren der Neustadt ab, während sich die Innenstadt der griechisch-zyprischen Hauptstadt Lefkosia mit Ausnahme der Ledrastraße ziemich provinziell, verlassen und wenig einladend präsebtiert. Es gibt aber auch einige Baustellen, vielleicht arbeitet Lefkosia an diesen Stellen an seiner Behübschung. Schließlich ist die Stadt Hauptstadt eines EU-Staats, wenn auch das moderne Wirtschaftszentrum Zyperns mit seinem Hafen und moderner Glashochhausarchitektur augenscheinlich eher in Limas(s)ol/Lemesos zu finden ist als in der Hauptstadt Lefkosia. Ein vereintes Nicosia würde eine spannende Großstadt mit viel Potential ergeben, aber derzeit wirken die beiden Städte „dank“ Grenze, verfallendem Niemandsland und Teilung der Stadt mitten durchs Zentrum wie zwei unfertige Halbstädte, die das Symbol der nationalistischen Enge der zyprischen Politik auf beiden Seiten symbolisieren. Zusammen könnten Lefkosia und Lefkosa eine tolle wieder vereinte Stadt ergeben – mit einem noch herauszupolierenden Kern, modernen Neustadtvierteln und kosmopolitischer statt engstirnig nationalistischer Atmosphäre. Nicosia, ein spannender, aber auch trauriger Ort, der an Krieg und Teilung Zyperns erinnert, aber auch ein hoffnungsvoller Ort mit viel Potential für die Menschen beidseits der Grenze, für griechische ebenso wie für türkische Zyprioten.

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