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Fototutorial Architekturfotografie

Ich wette jeder von euch hat schon einmal ein Gebäude fotografiert und wahrscheinlich standet ihr alle vor demselben Problem: Die Linien waren total schief. Ich verrate euch heute ein paar Tipps, wie jedes Foto gerade wird und welche Dinge ihr bei Architekturfotografie beachten solltet.

  1. Verwende die richtige Ausrüstung
    Optimal ist ein weitwinkeliges Zoomobjektiv. Ich habe für meine Fotos drei Objektive verwendet. Ein 16-35mm (wenn ganz viel auf’s Bild passen muss), ein 18-135 mm (in der Stadt) und ein 28-300 mm (wenn ich wirklich weit zoomen musste). Ihr müsst euch jetzt natürlich nicht drei Objektive kaufen! Empfehlenswert ist das 18-135mm Objektiv. Damit ist man für fast alle Situationen gewappnet. Das 16-35mm Objektiv würde ich nur empfehlen, wenn ihr wirklich VIEL Architektur und vor allem in sehr engen Innenräumen fotografiert. Das 28-300mm habe ich persönlich oft auf Reisen mit, da ich nie weiß, was mich erwartet. Der Nachteil: Es ist sauschwer. Ein Tilt- und Shift-Objektiv (spezielles Objektiv für Architekturfotografie) braucht der Laie auf keinen Fall. Mit dem richtigen Auge und ein wenig Nachbearbeitung wird jedes Foto gerade.
    Optimalerweise fotografiert ihr mit Stativ (vor allem bei dunklen Lichtverhältnissen). Dann könnt ihr nämlich länger belichten und das Bild wird nicht verwackelt.

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    Canon 1DX Mark II mit 16-35mm Superweitwinkel-Zoomobjektiv

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    Der Justizpalast in München
  2. Die richtige Kameraeinstellung. 
    Martin hat euch HIER schon eine kleine Einführung gegeben. Bei Architektur solltet ihr Manuell und in RAW fotografieren. ISO 100-250, Blende f.8 und dazu die passende Verschlusszeit einstellen. Da ich bei Tageslicht fotografiert habe, hatte ich oftmals eine Verschlusszeit von 1/80. Eine Pauschallösung gibt es aber in keinem Fall. Ist es zu dunkel, müsst ihr länger belichten und die Kamera auf ein Stativ stellen. Für die absoluten Perfektionisten: ISO 50, Blende f.8, Kamera auf das Stativ, passende Belichtungszeit, Spiegelvorauslösung einstellen (im Menü) und mit Fernauslöser oder Selbstauslöser fotografieren.
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    Die Asamkirche ist der ultimative Härtetest. Da der Kircheninnenraum eng, dunkel, langgezogen und gestaucht ist, wird das Fotografieren fast unmöglich. Das Deckenbild habe ich mit der Canon 1DX MarkII und einem 16-35mm Objektiv fotografiert. Dazu habe ich die Kamera einfach auf die Bank gelegt. Mein Stativersatz, denn ohne ist es fast unmöglich ein scharfes Bild zu machen.

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  3. Weit weg stehen
    Je weiter ihr vom Gebäude entfernt seid, desto weniger verzerren die Linien. Zoomt das Gebäude einfach heran. Das ist der billigste Trick, um möglichst verzerrungsfrei zu fotografieren.

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    Hier stehe ich viel zu nah am Gebäude, außerdem sind überall Stromleitungen.
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    Bei diesem Bild stand ich sehr weit entfernt und zoomte das Gebäude dann näher heran. Dadurch waren alle Linien komplett gerade und ich musste in der Nachbearbeitung nicht nachjustieren. 

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    Hier habe ich den gleichen Trick angewendet. Dieses Bild machte ich mit der Canon 80D und einem  18-135mm Objektiv.
  4. Sucht einen erhöhten Standpunkt
    Gegenüber ist eine Treppe? Dann nichts wie rauf auf die letzte Stufe!

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    Je höher ihr steht desto besser. Idealerweise schafft ihr es auf die Hälfte der Gebäudehöhe.
  5. Symmetrie und Strukturen
    Viele Architekturfotos wirken durch ihre Geradlinigkeit und ihr Symmetrie. Geht auf Motivsuche und achtet auf klare Strukturen und Farben.
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  6. Achtet auf Störelemente
    Da eine herabhängende Leitung, dort ein Straßenschild und dann noch ein Auto mitten vorm Motiv! Das sind alles Probleme, die euch dauernd begegnen werden, wenn ihr Architektur fotografiert. Versucht beim Fotografieren immer darauf zu achten. Denn oft kann man das Problem mit ein paar Schritten nach vorne oder nach links lösen. So erspart ihr euch aufwendige Retuschiererei.
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  7. Gleichmäßige Beleuchtung
    Achtet darauf, dass das Gebäude gleichmäßig beleuchtet ist. Störende Lichtflecken sind auch durch Hin- und Herschieben von Lightroom-Reglern (Bildbearbeitungsprogramm von Adobe) kaum wegzubekommen.
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  8. Überlegt euch ganz genau was ihr fotografieren wollt, BEVOR ihr den Auslöser drückt
    Legt den Ausschnitt schon im Sucher fest und achtet darauf Gebäude NICHT abzuschneiden. Das ist ein Fehler, der sehr häufig passiert. Bei der Nachbearbeitung werdet ihr euch ärgern, dass der letzte Zipfel des Gebäudes nicht auf dem Bild ist. Lieber aufmerksam fotografieren 😉
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  9. Nachbearbeitung- Gebäude geradeziehen
    Hin und wieder werdet ihr mit dem Zoomtrick scheitern, denn irgendwann kommt ihr immer in die Situation nicht weit genug entfernt stehen zu können. Dann müsst ihr digital nachhelfen. Ich arbeite hierbei mit Adobe Lightroom. Unter dem Punkt „Transformieren“ kann man sich hier die Gebäude geradeziehen. Dafür einfach den „Vertikal“ Regler hin und herschieben.

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  10. Mehr Ausdruckskraft: Schwarz-weiß Fotos
    Bei Architekturfotos wirkt schwarz-weiß oft Wunder, es lässt Strukturen noch klarer heraustreten und der Blick wird aufs Wesentliche gelegt.
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Alle Fotos wurden mit der Canon 1DX Mark II, der Canon 80D und den oben genannten Objektiven gemacht, die mir von Canon für dieses Tutorial zur Verfügung gestellt wurden. 

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